Fast jeder dritte Erwachsene leidet im Laufe eines Jahres an einer psychischen Erkrankung. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen Angststörungen, Depressionen und der Missbrauch von Alkohol oder anderen Substanzen. Vor allem junge Menschen leiden heute unter großem Druck und sind häufig betroffen.

Für die ca. 18 Millionen Betroffenen und ihre Angehörigen ist eine psychische Erkrankung mit massivem Leid verbunden und führt oft zu schwerwiegenden Einschränkungen im sozialen und beruflichen Leben.  Psychische Gesundheit ist ein gesellschaftliches Problem, das uns alle angeht.

Die Organisatoren und Unterstützer der Woche der seelischen Gesundheit in Gera wollen, dass Menschen jeden Alters in psychischen Krisen sich trauen, ihre Probleme offen anzusprechen, rechtzeitig Hilfe erhalten und Akzeptanz in der Gesellschaft erfahren. Dazu sollen die diesjährigen Veranstaltungen beitragen. Am 10.10., dem Welttag der seelischen Gesundheit, wird es in diesem Jahr erstmalig den Aktionstag „Grüne Schleife“ geben, ausgerufen vom Aktionsbündnis seelische Gesundheit. Mit dem Tragen der grünen Schleife soll ein sichtbares Zeichen für seelischen Gesundheit gesetzt werden. Psychische Erkrankungen betreffen uns alle und dürfen kein Tabuthema mehr!

Geraer Woche der seelischen Gesundheit 2019 / Veranstaltungen

08.10.2019 / 18:00 Uhr / Stadt- und Regionalbibliothek
Vortrag/Lesung „Mal gut, mehr schlecht.“
Die Krankheit Depression besser verstehen - durch Bilder und Worte; kostenfrei
Ein Bett in der Dunkelheit, unruhige Kraterlandschaften der Raufasertapete, die abwehrende Hand eines Menschen: Einfühlsame Fotografien, die die Gedankenwelt von an Depression erkrankten Menschen bildhaft werden lassen. Die Motive stammen von der in Erfurt lebenden Fotografin Nora Klein, die anderthalb Jahre lang Betroffene besucht und ihre Gedanken und Ängste visualisiert hat. Das Ergebnis ist ein 2016 mit Unterstützung der Deutschen DepressionsLiga e.V. veröffentlichter Bildband mit dem Titel „Mal gut, mehr schlecht.“
Der Vortrag/Lesung „Mal gut, mehr schlecht“ möchte die Gefühls- und Gedankenwelt von depressiven Menschen transparenter machen. Nora Klein und Sabine Fröhlich, die in dem Buch als Betroffene porträtiert wird, reisen durch Deutschland, um die psychische Erkrankung Depression ins Gespräch zu bringen. In Zusammenarbeit mit Institutionen zeigen beide in einer visuellen Präsentation Fotografien aus dem Buch-Projekt und lesen dazu Lebensgeschichten von erkrankten Menschen vor. Sabine Fröhlich spricht zudem über ihre eigenen Erfahrungen mit der Depression, ihrem Umgang damit und Hilfreiches für einen heilsamen Verlauf aus der Erkrankung. Im anschließenden Austausch mit den Sabine Fröhlich und Nora Klein sollen die Besucher Raum finden, über eigene Erfahrungen, Ängste, Wünsche, Umgang mit Angehörigen etc. zu sprechen.

09.10.2019 / 09:00 – 12:00 Uhr / Jeannette Perschke; Humortrainerin, Supervisorin (DGSv); kostenfrei; mit Anmeldung - begrenzte Platzkapazität
„Das Leben ist viel zu wichtig, um es ernst zu nehmen.“
sagte schon Oscar Wilde. Er berührt mit diesem Satz einen lebenswichtigen Aspekt – nämlich die Leichtigkeit, die uns erst ermöglicht, die Unbilden des Lebens doch zu meistern ohne verbittert daran zu scheitern.
Man sagt auch, dass jeder Mensch Humor hat – so mancher hat diesen nur so gut „aufgeräumt“, dass er ihn nicht gleich wieder findet. In dieser Veranstaltung soll es darum gehen, (wieder) mit dem Humor in Berührung zu kommen. Humortraining wird bei Menschen mit Depressionen bzw. der Neigung zur Depression verstärkt in Therapien angewendet. Für Menschen mit Neigung zur Depression kann er ein Werkzeug sein, mit dem negative Reaktionen auf unangenehme Erfahrungen abgemildert oder umgewandelt werden können. Humor könnte also davor schützen, dass solche Erfahrungen eine depressive Episode auslösen.

22.10.2019 / 18:00 Uhr / Metropol Kino
„Systemsprenger“ mit anschließendem Expertengespräch
Deutschland 2019; 118 min; Regie: Nora Fingscheidt; Kosten: Eintritt Kino
Bernadette oder Benni, wie sie genannt werden will, ein zartes Mädchen mit ungestümer Energie, ist ein „Systemsprenger“. So nennt man Kinder, die radikal jede Regel brechen, Strukturen konsequent verweigern und nach und nach durch alle Raster der deutschen Kinder- und Jugendhilfe fallen. Wo immer die Neunjährige aufgenommen wird, fliegt sie schon nach kurzer Zeit wieder raus. Und genau darauf hat sie es abgesehen, denn sie sehnt sich danach, wieder bei ihrer Mutter zu leben. Einer Frau, die maßlos überfordert ist von der Unberechenbarkeit ihrer eigenen Tochter.
Nach ihrem mehrfach preisgekrönten Drehbuch inszeniert Nora Fingscheidt ein intensives Drama über die unbändige Sehnsucht eines Kindes nach Liebe und Geborgenheit und das darin liegende Gewaltpotenzial. Zugleich beschreibt der Film die unermüdlichen Versuche von Erzieher*innen und Psycholog*innen, mit Respekt, Vertrauen und Zuversicht eine Perspektive für solche Kinder zu schaffen, die durch ihre unvorhersehbaren Ausbrüche andere und sich selbst zu zerstören drohen. Wie aber werden diese Kinder zu „Systemsprengern“? Wo gibt es Ansatzpunkte, „Systemsprenger“ zu verhindern? Wo können die Kinder und Jugendlichen, ihre Familien aber auch pädagogische Fachkräfte Hilfe finden? Diesen Fragen wird im Anschluss an den Film in einem Expertengespräch nachgegangen. Interessenten sind dazu herzlich eingeladen.
Externer Programmhinweis
25. Oktober 2019 / 20:00 Uhr / Clubzentrum COMMA
„Die fabelhafte Welt der Therapie“
Helene Bockhorst, Hamburger Autorin, Stand-Up- Comedienne und Poetry Slammerin
Welche positiven Auswirkungen hat eine schlechte Kindheit? Wie exhibitionistisch darf eine Frau sein? Was haben Sex und Kartoffelsalat gemeinsam? Und warum beteiligt sich niemand am Crowdfunding für meine Brustvergrößerung – es hätten doch am Ende alle etwas davon? Es geht um psychische Auffälligkeiten und Schwierigkeiten in sozialen Situationen; um Onlinedating, Sex, Missgeschicke und immer wieder um die Frage: Warum passiert das ausgerechnet mir? „Mit meinen Auftritten therapiere ich mich selbst und andere, indem ich alles ausspreche, was schon immer mal gesagt werden musste – und noch einiges darüber hinaus, denn sicher ist sicher“, so Helene Bockhorst zu ihrem Programm. (Kosten: Eintritt)
Organisation: Stadtverwaltung Gera / Fachdienst Gesundheit / Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen Kontakt: 0365 8383594 oder 0365 8383026
Förderer und Unterstützer der Veranstaltungen: u.a. VDEK, Barmer, Deutsche Depressionsliga, Metropol und weitere Kooperationspartner, „Frühe Hilfen“, Metropol Kino