In Altenburg ist am Wochenende Gelegenheit die beiden neuesten Produktionen des Schauspiels und des Puppentheaters zu erleben. Nach den erfolgreichen Premieren steht Molières Komödie „Der eingebildet Kranke“ am Freitag und Samstag jeweils 20 Uhr open air auf dem Spielplan im Schlosspark auf der Teehauswiese. Bei schlechtem Wetter finden die Aufführungen im Landestheater statt.

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Argan ist Hypochonder. Es geht ihm jeden Tag aufs Neue schlecht. Deshalb umgibt er sich mit einer Schar von Ärzten. Die bestärken ihn gern in seiner eingebildeten Krankheit und nutzen seine Wehwehchen aus, um diverse Untersuchungen und Behandlungen anzuordnen. Vor allem stellen sie Argan ihre Arbeit auch gern in Rechnung. Leidtragende ist die Tochter Angélique. Da ihr Vater unbedingt einen Arzt in der Familie haben möchte, soll sie den Medizinstudenten Thomas heiraten – verliebt ist sie aber in Cléante. Stiefmutter Bélinde sähe Angélique ohnehin am liebsten im Kloster und Argan unter der Erde. Doch das Dienstmädchen Toinette und Argans Schwester Béraldine haben einen Plan ...

Das Puppentheaterensemble kommt mit Ulrich Hubs Stück über Gott und die Welt „An der Arche um Acht“ für Zuschauer ab 8 Jahren nach Altenburg. Die Familienvorstellung am Samstag, 16. Juni, um 16 Uhr sollte man sich nicht entgehen lassen.
Tim Heilmann inszenierte mit dem gesamten Puppenspielerensemble eine philosophische Komödie, die von Olav Kröger live am Klavier begleitet wird. Es spielen: Marcella von Jan (Erster Pinguin), Sabine Schramm (Zweiter Pinguin), Lutz Großmann (Dritter Pinguin)und Lys Schubert (Weiße Taube).
Die drei Pinguine sind die allerdicksten Freunde. Natürlich streiten sie auch manchmal. Zugegeben, sie streiten und prügeln sich eigentlich ziemlich oft: Der eine wirft dem anderen vor, dass er stinkt. Der nächste erklärt, der zweite Pinguin könne nicht zählen und alle miteinander diskutieren sie, ob dieser Gott, der alles hören und sehen können soll, wirklich existiert. Da kommt die weiße Taube und berichtet, dass Gott beschlossen habe, noch einmal neu anzufangen und die Sintflut schicken werde, um alles Leben auf der Erde zu zerstören. Lediglich zwei Tickets für die rettende Arche Noah kann die Taube jeder Tierart übergeben. Auch die Pinguine bekommen zwei. Doch in der Not halten die Freunde trotz aller Streitereien fest zusammen. Kurzerhand wird der dritte Pinguin an Bord geschmuggelt. Doch schon bald droht das Versteckspiel aufgedeckt zu werden.
In dem Stück „An der Arche um Acht“ wird gleichermaßen mit Witz und Tiefgang über die Existenz einer überirdischen Macht, moralische Gebote und Verbote sowie die Angemessenheit von Strafen philosophiert. Darüber hinaus erzählt das Stück die Geschichte von ganz besonderen Freunden, die keiner trennen kann.

Die letzte reguläre Vorstellung im Großen Haus in Altenburg in dieser Spielzeit ist Bedřich Smetanas (1824-1884) „Die verkaufte Braut“ am Sonntag, 17. Juni, um 14.30 Uhr. Die Komische Oper besticht durch ihre böhmische Volkstümlichkeit, Melodienreichtum und eine farbige Instrumentation. Bei Theater&Philharmonie Thüringen inszenierte Generalintendant Kay Kuntze das Meisterwerk in der Ausstattung von Irene Suhr. Das Philharmonische Orchester Altenburg-Gera spielt unter der Leitung von Takahiro Nagasaki.
Marie und Wenzel sollen gemäß dem Wunsch ihrer Väter heiraten. Kruschina und Micha wollen mit der arrangierten Ehe Erbe und Wohlstand der beiden sichern. Nachdem Michas erstgeborener Sohn als verschollen gilt, erscheint der naive Wenzel dem alten Kruschina als der ideale Schwiegersohn. Doch Marie setzt sich gegen den Plan ihres Vaters zur Wehr, liebt sie doch den Knecht Hans. Der Heiratsvermittler Kecal versucht, Hans umzustimmen. Der Außenseiter willigt scheinbar gegen Zahlung einer hübschen Summe ein und sagt sich von der Enttäuschten los. Er stellt allerdings die Bedingung, dass nur ein Sohn Michas Marie zur Frau nehmen dürfe. Dieser obszöne Handel wird von der empörten Dorfgesellschaft missbilligt und Marie ist zutiefst gekränkt. Doch dann gibt sich Hans als Michas erstgeborener Sohn zu erkennen…

Gera
Für die ausverkauften Vorstellungen „Die Känguru-Chroniken“ am Freitag um 19.30 Uhr und am Sonntag um 18.00 Uhr in der Bühne am Park wie auch für das Musical „Sunset Boulevard“ am Samstag um 19.30 Uhr im Großen Haus bleibt Interessenten nur die Kartennachfrage an der Abendkasse.

Im Puppentheater spielt am Samstag, 16. Juni, um 16 Uhr Tobias Weishaupt für Kinder ab 3 Jahre die Geschichte „Irgendwie Anders“ nach dem bekannten Kinderbuch von Kathryn Cave und Chris Riddell. Er schlüpft in die Rolle eines Malers und Tapezierers, dem bei der Arbeit langweilig wird und der sein Arbeitsmaterial neu entdeckt: In Handumdrehen werden aus Lappen, Pinseln und Farbe Figuren, die ein ganz besonderes Eigenleben entwickeln. Mit ihnen erzählt er die Geschichte von Irgendwie Anders. Irgendwie Anders unterscheidet sich, wie es heißt, auf eine besondere Art und Weise von den Anderen. Deshalb wollen die Anderen auch nicht mit ihm spielen und toben – und dabei gibt sich Irgendwie Anders die größte Mühe wie die Anderen zu sein. Ganz allein lebt es auf einem Berg und fragt sich, warum es irgendwie anders ist. Bis eines Tages das Etwas an seine Tür klopft …
Mit den Allegorien Irgendwie Anders und Etwas ermutigt das Stück, Verschiedenheit als Chance zu begreifen, anstatt nach Gleichheit in der Gesellschaft zu streben. Andersartigkeit wird nicht als Mangel, sondern als Bereicherung erkannt, die zum phantasievollen und kreativen Umgang miteinander und der Umwelt einlädt.

Mit Mozarts Wort „Ohne Musik wärʼ alles nichts“ ist das letzte Foyerkonzert der Saison am Sonntag, 17. Juni, um 11:00 Uhr im Konzertsaalfoyer der Bühnen der Stadt Gera überschrieben und zwei Perlen der Kammermusikliteratur stehen auf dem Programm.
jDas Streichquartett Nr. 15 d-Moll KV 421 von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) erinnert an gleich zwei bedeutende Aspekte im Leben des Komponisten: Einerseits an seine große Verehrung zu „seinem lieben Freund Joseph Haydn“, dem er sein Konvolut von sechs Streichquartetten –darunter KV 421 – voller Zuneigung widmete. Andererseits an die Geburt seines ersten Kindes, von deren nächtlichen Strapazen sich der Gatte durch das Komponieren ablenkte. Wie dies vonstattenging, schildert der Mozartbiograf und zweite Mann von Constanze Weber, Nikolaus von Nissen: „So oft sie Leiden äusserte, lief er auf sie zu, um sie zu trösten und aufzuheitern; und wenn sie etwas beruhigt war, ging er wieder zu seinem Papier. Nach ihrer Erzählung wurden der Menuett und das Trio gerade bey ihrer Entbindung componirt.“ Angeblich sind im Menuett in den Ausrufen der ersten Geige die Schmerzensschreie der Gebärenden zu hören.
Weitaus willkürlicher scheint die Entstehung des Klavierquintetts Nr. 2 A-Dur op. 81 von Antonín Dvořák (1841-1904). Die Legende besagt, dass dem Komponisten beim Herumstöbern zufällig sein erstes Klavierquintett in die Hände fiel und er mit dessen Qualität so unzufrieden war, dass er ein gänzlich neues Werk in gleicher Besetzung, Tonart und Anlage schrieb. Dieses gelang so ansprechend und originell, dass es bis heute eines der meistgespielten Werke Dvořáks ist. Mannigfaltige melodische Erfindung, üppiger Klang, perfekte Form sowie Volkstümlichkeit neben spätromantischem Pathos prägen die Partitur des Meisterwerks. Es musizieren Anne-Sophie Kühne und Johannes Neupert (Violine), Louise Denis-Nesprias (Viola), Jesús Antonio Clavijo Rojas (Violoncello) und Takahiro Nagasaki (Klavier).

Die Theaterkasse in der jeweiligen Spielstätte öffnet eine stunde vor Vorstellungsbeginn, Telefon 0365 82 79 105 oder 03447 585 160.

Foto: Ronny Ristok