Thüringer Symphoniker mit Bach, Bruch und Brahms im Meininger Hof

Rudolstadt/Saalfeld. Sie gehört zu den geheimnisvollsten und unbegreiflichsten Musikstücken: die Chaconne für Violine von Johann Sebastian Bach.

Unzählige Komponisten nach ihm haben ihr Wesen, in dem eine ganze Welt gewaltiger Empfindungen steckt, in eigenen Bearbeitungen zu fassen versucht. Im 2. Sinfoniekonzert der Thüringer Symphoniker Saalfeld-Rudolstadt unter dem Titel „Barockes Pathos“ erklingt das berühmte Werk neben Kompositionen von Max Bruch und Johannes Brahms in einer Version nur für Orchester. Die musikalische Leitung am 18. und 19. Oktober, um 19.30 Uhr im Meininger Hof Saalfeld, liegt in den Händen von Chefdirigent Oliver Weder. Solistin ist die renommierte albanische Geigerin Ervis Gega.

Kurz bevor der Meister der Barockmusik 1720 die Chaconne aus der Partita in d-Moll (BWV 1004) niederschrieb, war seine Frau in seiner Abwesenheit gestorben. Hat Bach dieser Schicksalsschlag bei der Komposition beeinflusst? Thematisch verarbeitet er zumindest vielfach Choralmotive, die von Tod und Auferstehung erzählen. Die Orchesterfassung des Japaners Hideo Saito (1902–1974), die zwischen Empfindsamkeit und Pathos changiert, erinnert in ihrer Wucht vielmehr an klassische Hollywood-Musiken. Auch Max Bruchs Violinkonzert g-Moll op. 26 weist barocke Züge auf: Pompös öffnet sich der orchestrale Theatervorhang, dem sich ein filigranes Solo der Violine anschließt. Für das zutiefst melancholische Konzert, das voller Sehnsucht und Weltschmerz steckt, konnte Ervis Gega gewonnen werden. Die Preisträgerin des International Yfrah-Neaman Violinwettbewerbs und des Emily English Awards machte in der Fachpresse als „geigentechnisches Genie“ und „musikalischer Vulkan“ von sich reden. Porträtsendungen wurden von der ARD und ZDF ausgestrahlt.

Von Johannes Brahms kommt die große Sinfonie des Konzertabends. Der Komponist ließ sich ebenfalls stark von der kontrapunktischen Arbeit Johann Sebastian Bachs beeinflussen. Seine eigene Chaconne-Bearbeitung für Klavier zeugt davon. Einzelne barocke Elemente, wie den markant tickenden Bass im menuettartigen Scherzo, kann man auch in seiner 3. Sinfonie heraushören, die im 2. Sinfoniekonzert erklingt. Zugleich ertönt in diesem Werk viel romantische „Schönheit“ und „Liebe“, so dass einem das „Herz“ dabei „aufgeht“, wie Antonín Dvořák über die Komposition schrieb.

Karten für die Aufführungen sind an den üblichen Vorverkaufsstellen sowie telefonisch unter 03672/422766 erhältlich. Der Eintritt für Kinder und Jugendliche ist an der Abendkasse frei. Aus Rudolstadt und zurück wird zudem ein Busshuttle eingerichtet. Informationen dazu finden sich auf der Website des Theaters.