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„Ich habe einfach meine Nabelschnur durchgekaut, mich abgebissen und mich in mein Reich gespuckt. Mein Reich der Stille. Das ist ganz einfach: Abbeißen. Ausspucken. Fertig. Stille. Keiner mehr. Kein Verstehen. Kein Verstellen. Richtig sein. Und? Ich lebe noch. Abgenabelt und gut. Ich kann auch selber atmen. Und meine Lungenflügel tragen.“
Acht junge Menschen im Alter von 17 bis 22 Jahren nehmen sich raus: raus aus ihrem sozialen Umfeld, raus aus ihren alltäglichen Zwängen und dem damit verbundenen Druck. Sie flüchten und testen, ob ihr Rückzug der Schritt nach vorn sein kann. Das Stück, welches aus thematischen Improvisationen von den jugendlichen Spielern entwickelt wurde, erzählt von einer Generation, die in einem System aufwächst, das sie dringend braucht: wertvoll, sinnvoll, stark und schlau.
Der einzig berechtigte Grund für ihre Anwesenheit scheint diese Ansammlung von Wertstoffen in ihnen zu sein. Und diese werden aufbereitet, wieder verwertet Tag für Tag: Stunde für Stunde ein neues Gesicht, Schlag für Schlag ein neues Herz. Was verbraucht ist an ihnen, defekt, unmodern und überflüssig wird geschmolzen, gebogen und gebrochen, bis es wieder passt. Bis sie wieder ins System passen als Sekundärrohstoff für den ursprünglichen oder einen anderen Zweck.
Ihre Magengrube ist voll: Dort, wohin sie jedes ICH WILL NICHT geworfen, jedes ICH KANN NICHT MEHR entsorgt, jedes ICH FÜRCHTE in Säcke geschnürt haben, dort wo sich ihr Restmüll türmt, den keiner haben will, dem keine Funktion zuzuweisen ist. Dort, wo das Unnütze, das Unbrauchbare, Sinnentleerte nicht an Bedeutung verliert; dort, wo der lebendige Teil von ihnen, der angreifbare, der unbrauchbare gärt, fault, verwest; wo er brodelt und tobt, so wild, so ungezähmt, so frei; dort, wo Gestalt annimmt, was keiner wissen soll – dort versuchen sie ihr Glück.
Marcel Kohl, 1972 in Arnstadt geboren, arbeitete als Bankkaufmann, Redakteur, Streetworker, Bühnentechniker, Tontechniker, Theaterpädagoge, Spieler, Autor, Bühnenbildner und als Dramaturg und Regisseur in der freien Szene und an Stadttheatern – u. a. an der Theaterscheune Teutleben, in der Brotfabrik und am Theater in der Kapelle Berlin, in der TheaterFabrik Gera, am Landestheater Detmold. Marcel Kohl lebt in Jena, Fluchtversuch 1.9 ist seine erste Arbeit für das Theaterhaus Jena.
Mit: Rebecca Bechtel, Laura Friedrich, Paul Helfrich, Pia-Eileen Kernbach, Marie Kleinert, Darius Mannich, Zuzanna Pilciková, Tanja Stutz Regie: Marcel Kohl Bühne: Mario Müller Kostüme: Anke Kalk, Jördis Kemnitz Musik: Michael Semper Regieassistenz: Laura Schattling
Premiere: Donnerstag, 27.01.2011, 20:00 Uhr, Hauptbühne Die nächsten Vorstellungen: 28. | 29. Januar, 20:00 Uhr, Hauptbühne Presseprobe: Dienstag, 25.01., 17:00 Uhr
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